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NEU:
Jugend und Ernährung. Zwischen Fremd- und Selbstbestimmung

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Welche Rolle Essen für Jugendliche spielt und wie Jugendliche ihre eigene aber auch die allgemeine Esskultur gestalten, erfahren Sie im neuen Tagungsband [mehr]


Mission Ernährung. Wenn Gesundheit zum Diktat wird
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Gesundheit wird zum Lebensziel. Positiver Trend oder Gesundheitswahn? [mehr]


Was der Mensch essen darf

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Der Sammelband befasst sich mit Aspekten von Moral, Ethik und Nachhaltigkeit in der Ernährung des 21. Jahrhunderts [mehr]


Ernährungsbildung


Ernährungsbildung wurde lange Zeit gleichgesetzt mit Kochen lernen, später dann mit Ernährungslehre, die zum Beispiel Wissen zu Nährstoffen und Körperfunktionen vermittelte. Beides wurde primär in die Bildung von Mädchen und jungen Frauen integriert und auch überwiegend von diesen nachgefragt. Heute wissen wir, dass Ernährungsbildung eine Kombination aus Wissens- und Wertevermittlung, sozio-kultureller Reflexion und praktischem Tun sein muss.

Die Dr. Rainer Wild-Stiftung ist davon überzeugt, dass eine früh beginnende Ernährungsbildung wichtig ist. Denn sie schafft Grunderfahrungen, legt Grundwerte fest und hilft den Heranwachsenden, sich sozial und kulturell zu verankern. Erfahrungen mit Essen und Ernährung wurzeln in der Kindheit und sind zum Teil lebenslang prägend. Im Sinne des lebenslangen Lernens ist Ernährungsbildung auch im Erwachsenenalter sinnvoll und notwendig.

 

Verbraucherverhalten


Verbraucherverhalten wird nicht alleine durch kognitive und emotionale Prozesse gesteuert, sondern wird auch maßgeblich von externen Faktoren beeinflusst. So führen soziale, kulturelle, ökonomische, politische und technologische Entwicklungen dazu, dass sich das Konsum- und Verbraucherverhalten verändert: Das Angebot an erschwinglichen Lebensmitteln steigt, körperliche Arbeit verliert an Bedeutung, die Haushalte werden kleiner, Frauen sind zunehmend berufstätig und mit wachsendem Wohlstand wird vermehrt an Gesundheit gedacht. Der Lebensmittelmarkt reagiert auf diese Entwicklungen und beeinflusst sie zugleich, wie das breite Angebot an Functional Food und Convenience-Produkten zeigt. Die tägliche Ernährung bleibt von diesen Entwicklungen nicht unberührt. Wachsende (persönliche und soziale) Ansprüche, ein unüberschaubares Angebot an Produkten und eine Flut an Informationen führen häufig zu Verunsicherung. Der Verbraucher sucht nach Entlastung und einfachen Lösungen, die nicht immer mit einer gesunden Ernährung im Einklang stehen.

Die Dr. Rainer Wild-Stiftung sieht den Verbraucher als einen in Eigenlogik handelnden Menschen und stellt ihn in den Mittelpunkt dieses Forschungsfelds. Erst ein tieferes Verständnis dieser Eigenlogik erlaubt es, Erklärungsansätze und Empfehlungen für eine gesundheitsförderliche Ernährung zu formulieren. Lebens- und Ernährungsstil, Verbraucherverhalten und Gesundheit sind eng miteinander verbunden.

 

Esskultur


Unser heutiges Ernährungs- und Verbraucherverhalten, eingeschlossen aktueller Probleme wie Übergewicht und ernährungsbedingte Erkrankungen, sind nicht mit einem isolierenden Blick auf Lebensmittel und Nährstoffe zu erklären. Vielmehr entsteht unser Verhalten durch und in einem von der Gesellschaft getragenen System – der Kultur. Was aber ist Kultur? Wurde Kultur zunächst als lokal abgrenzbar angesehen, was Begriffe wie "die Deutsche Kultur" zeigen, so geht man heute von einem breiteren Kulturverständnis aus: Kultur formt unser Denken, unsere Wahrnehmung, unser Empfinden und unser Verhalten – und gleichzeitig erschaffen wir unsere Kultur. Kultur ist ein ständiger Prozess, bei dem Regeln praktisch ausgehandelt werden.

Wird im Alltag von Esskultur gesprochen, dann oft mit dem Ziel der Abgrenzung zu Essgewohnheiten, die man als "anders" empfindet. Esskultur geht aber weit darüber hinaus. Essen und Trinken haben stets einen bedeutenden Einfluss auf die allgemeine Kulturentstehung und -veränderung gehabt. Umgekehrt müssen die Menschen ihre Ernährung kulturell steuern, da ihnen die Instinkte fehlen, die die Nahrungsauswahl lenken. Für die Dr. Rainer Wild-Stiftung ist Ernährung deshalb auch nicht nur physiologische Notwendigkeit, sondern auch ein Kulturphänomen, das den ganzen Menschen betrifft.

 

Geschmacksforschung


In der Entwicklung der Menschheit diente der Geschmack vor allem dem Überleben, nämlich der Unterscheidung von Essbarem und nicht Essbarem. Heute ist das anders. Dank des großen Angebotes, der hohen Qualität und der geringen Preise kann sich jeder nach seinem "Gusto" ernähren. Geschmack bedeutet aber nicht nur Schmecken im physiologischen Sinn, sondern ist ein Zusammenspiel aller Sinne. Jede Empfindung hat dabei ihre berechtigte Aufgabe und trägt auf ihre ganz eigene Art und Weise zum sensorischen Gesamteindruck und zum Genuss bei. Und noch viel mehr: Kulturelle Faktoren, individuelle Befindlichkeiten und die Gene bestimmen den Geschmack ebenso wie der Preis oder die Marke eines Produktes. Auch die Medien und zahlreiche andere Meinungsbildner können unsere Geschmacksvorlieben und unser Essverhalten beeinflussen – im Positiven wie im Negativen.

Geschmack ist heute ein wichtiges Auswahlkriterium und eine maßgebliche Einflussgröße für unser Essverhalten und unsere Esskultur. Denn Menschen essen was ihnen schmeckt – und ihnen schmeckt, was sie essen. Der Geschmack bzw. der sensorische Gesamteindruck von Lebensmitteln ist nach Ansicht der Dr. Rainer Wild-Stiftung ein wichtiger Schlüssel zu einer gesundheitsförderlichen Ernährung.